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NARM™ - Neuroaffektives Beziehungsmodell

Wird heutzutage von Trauma gesprochen, so steht häufig das Schocktrauma im Mittelpunkt, was meistens ein einmaliges Erlebnis ist. Damit verbunden ist eine äusserst beeinträchtigende und auch lebensgefährende Situation, die ein Mensch erlebt: z. B. Naturkatastrophen, Verkehrsunfälle, sexuelle Gewalt, Kriegserlebnisse.

Die Folge davon ist eine Überforderung des biologischen Stress-Systems, mit Auswirkungen auf psychischer als auch körperlicher Ebene. Die Selbstregulationskräfte sind nicht mehr ausreichend, um sich dieser Situation anpassen zu können und das Erlebte zu integrieren.

Peter Levine, der Begründer von Somatic Experiencing®, hat dies wie folgt beschrieben: 'Ein Trauma ist im Nervensystem gebunden. Durch einschneidende Ereignisse hat das Nervensystem seine volle Flexibilität verloren. Wir müssen ihm deshalb helfen, wieder zu seiner ganzen Spannbreite und Kraft zurückzufinden.'

In Ergänzung zum Schocktrauma ist es meines Erachtens auch wichtig Traumen zu berücksichtigen, die in der frühen kindlichen Entwicklung entstanden sind. Dann wird von einem Entwicklungstrauma gesprochen.

Entwicklungstrauma

Den Begriff des Entwicklungstrauma findet man im Gegensatz zum Schocktrauma eher seltener. Dabei handelt es sich um Ereignisse, die über einen längeren Zeitraum anhalten und meist in der frühen Entwicklung stattfanden, dabei ist die Zeit vor der Geburt bis zur Adoleszenz gemeint.

Die Ereignisse können z.B. Probleme in der Familie, Bindungsstörungen oder Gewalt sein, welche sich auf die Persönlichkeit und die Identität auswirken, da die Entwicklung der im folgenden genannten Grundbedürfnisse eingeschränkt wurde.

Was NARM™ ist

© Microsoft ClipArt Gallery (Ausschnitt) © Microsoft ClipArt Gallery (Ausschnitt)
Das neuroaffektive Beziehungsmodell wurde von Larry Heller entwickelt und ist ein nicht-regressives, ressourcen-orientiertes und körperorientiertes Modell, um Menschen mit Entwicklungstraumata sowie Bindungsstörungen begleiten zu können.

Frühe kindliche Traumen können sich nachteilig auf die Entwicklung eines Menschen auswirken. Traumata, die bereits in den ersten Lebensmonaten und -jahren stattgefunden haben, können die Entwicklung des Selbstwertes negativ beeinflussen. Im Laufe des Lebens können Schuld, Schamgefühle und Selbstverurteilungen immer häufiger auftreten und zeigen sich u.a. in psychosomatischen Störungen.

NARM™ umfasst verschiedene psychologische Prinzipien. Als körperorientierte Traumatherapie beruht es auf tiefenpsychologischen Ansätzen, berücksichtigt neben körperlich orientierten Modellen wie dem Focusing nach Eugene Gendlin, auch neurowissenschaftliche Erkenntnisse z. B. nach die Polyvagal-Theorie nach Stephen Porges.

Das Ziel dabei ist die Selbstregulationsfähigkeit wieder zu unterstützen, die Verbindung und den Kontakt zu unserer Persönlichkeit herzustellen. Der Fokus liegt auf der Arbeit im 'Hier und Jetzt', in der Gegenwart und kann helfen dysfunktionale Anteile achtsam wahrzunehmen.

NARM™ kann dabei helfen Autonomie und Abhängigkeit im Kontakt zu sich und anderen besser zu verstehen und somit den Reifeprozeß zu unterstützen. In der Gesprächstherapie nach Carl Rogers wird dies als Selbstaktualisierungstendenz jeden Organismus (Pflanze, Tier, Mensch) beschrieben und zeigt sich u. a. in der Entwicklung zur Autonomie, weg von Fremdbestimmtheit und äußeren Zwängen.

Es ist ein Modell mit körperzentrierter Achtsamkeit und Bewusstwerdung der Organisationsprinzipien eigener Überlebensstrategien. Persönlichkeits- bzw. Charakterstrukturen sind in NARM™ humanistisch geprägt. D.h., jeder Mensch verfügt über Potenziale, die in einem förderlichen Klima erschlossen werden können, um Veränderung zu ermöglichen. Unterstützend verwende ich das Enneagramm, um mehr Klarheit über die eigene Überlebensstrategien zu bekommen. Also mehr Raum für Lernerfahrung zu ermöglichen und Zugang zu Ressourcen und Stärken zu schaffen.

Die Betonung liegt auf den Stärken, Fähigkeiten und Resilienz des Menschen, hierdurch wird die Regulierung des Nervensystems gefördert. In meiner Praxis arbeite ich ergänzend mit Biofeedback und Neurofeedback, um die Selbstregulationskräfte des Nervensystems zu unterstützen.
Laurence Heller, schreibt in seinem Buch 'Entwicklungstrauma heilen' dazu folgendes: 'Die spontane Bewegung in uns allen zielt auf Kontakt. Gleich wie zurückgezogen und isoliert wir sein mögen und ungeachtet der Schwere des Traumas, das wir erlebt haben, gibt es – gerade so, wie eine Pflanze sich spontan auf die Sonne zubewegt – in jedem von uns auf der tiefsten Ebene einen Impuls in Richtung Verbundenheit.'

Biologische Grundbedürfnisse

Bei NARM™ wird die Auffassung vertreten, dass beim Menschen fünf biologische Grundbedürfnisse existieren, die wiederum für sein körperliches bzw. physisches sowie emotionales Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung sind.

Je nachdem, wie diese Grundbedürfnisse in der frühen Zeit des menschlichen Lebens befriedigt worden sind, werden Fähigkeit entwickelt, sich um diese Bedürfnisse auch im späteren Leben (Erwachsenenalter) zu kümmern.
  • Kontakt
  • Einstimmung
  • Vertrauen
  • Autonomie
  • Liebe/Sexualität
Probleme auf emotionaler, psychischer als auch körperlicher Ebene entstehen häufig dadurch, dass ein oder mehrere der oben genannten Grundbedürfnisse keine ausreichende Entwicklung in der Frühzeit des Lebens erfahren haben. Statt einer zufriedenen Lebensweise, entsteht so eine Überlebensstrategie mit verzerrter Identität (z. B. verringertes Selbstwertgefühl, Scham, Selbstverurteilung)